rene-paul-niemann-grauGeboren an einem trüben Novembertag in Bremen, mag mein erster Eindruck von dieser Welt der ferne Geruch von Nebel und fließendem Wasser gewesen sein. Das leicht modrige Parfum der Weser zu jeder Tages- und Jahreszeit begleitete meine Kindheit. Das ferne Tuten der großen Schiffe im Hafen und der ölige Geruch der dunkelschwieligen Hände meines Vaters, wenn er von der Arbeit auf der Werft nach Hause kam, hat sich ebenfalls einen Platz in dem seltsamen Kämmerchen in meinem Kopf bewahrt, in dem sich die Erinnerung an Gerüche, Geräusche, bestimmte nebligfeuchte Wetterlagen und der mitunter bedrückende Gleichklang der Tage mit Gefühlen verbinden, und den man als emotionales Gedächtnis bezeichnen könnte.

Damals war die Welt noch einfach. Schwarz und weiß waren Farben, die keinen Standpunkt erforderten. Meist war sowieso alles grau. Ein nicht sehr dunkles, aber ziemlich schweres Grau, in dem manchmal Regentropfen glitzerten, und in dem an anderen Tagen die Sonnenstrahlen einen Regenbogen schimmern ließen. Die Schule war die Schule, eine Zeit, die man hinter sich bringen musste. Das ließ sich nicht in Frage stellen. Die Zeit nach der Schule schien so weit entfernt, als läge sie aus einem Planeten außerhalb des Sonnensystems. Trotzdem kam sie irgendwann näher.

Ein Ziel hatte ich eigentlich nie vor Augen. Es ging ums Leben an sich. Darum, nicht vor lauter Arbeit und Verpflichtungen die Freuden aus dem Blick zu verlieren, die Freunde und die Ideale zu vergessen, denn erst sie machen das Leben lebenswert. Diesem Grundsatz bin ich treu geblieben.

Verlorene Zeit bekommen wir nie zurück. Ein rollender Stein setzt kein Moos an. Und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, lässt sich mit Gold nicht aufwiegen. Solange mir das Schreiben Freude macht, werde ich Schreiben. Und über jeden Leser freue ich mich.