Krimi-Buchautor-Rene-Paul-Niemann
René Paul Niemann

Manchmal öffne ich Türen. Aus reiner Neugier. Manchmal schaue ich durch Fenster. Einfach so. Denn hinter jeder Tür und jedem Fenster kann sich ein Geheimnis verbergen. Und so beginnen alle Geschichten. Mit den Geheimnissen hinter fremden Mauern und Türen. Mit den Überraschungen, die hinter jeder alten Wand verborgen sind. Und mit dem Schrecken, der hinter jedem dunklen Vorsprung und in jeder schlecht beleuchteten Straßenöffnung lauern kann. Man muss nur hinsehen.

Mit gruseligen Geschichten ist es wie mit einem guten Wein: Man muss sich Zeit lassen, sie zu genießen. Wenn an langen Abenden im Herbst der Regen an die Fensterscheiben peitscht, wenn das Kaminfeuer prasselt und ein Windzug das Kerzenlicht zum Flackern bringt, kommt die Gänsehaut von ganz allein. Knarrende Dielen, lautlos durch die Luft huschende Fledermäuse und ein Eulenschrei um Mitternacht bringen das Blut zum Gefrieren. Kalte Finger krabbeln dem Leser über die Schulter und legen sich schweißfeucht auf seine heiße Stirn. Der Herzschlag setzt aus, um dann mit einem schmerzhaften Zucken erneut zu beginnen.

Ein guter Krimi besteht aber nicht nur aus diesem düsteren Beiwerk. Der ewige Streit zwischen Gut und Böse ist es, der den Leser mitreißt. Welches Bedürfnis befriedigt der Mörder, wenn er einen weichen Körper mit einem Messer zerteilt? Welche Sprache spricht seine Tat, und warum tut er, was er tut? Es geht darum, sich in den Täter hineinzuversetzen. Wenn wir in den Windungen seines Hirn heimisch werden, seine Gedanken mitdenken können, und schon wissen, was sein nächster Schritt sein wird, noch ehe er es selber weiß, wird die Sache wirklich unheimlich. Dann kann es sogar geschehen, dass wir beginnen, in dem alten Spiel die Rolle des Bösen zu favorisieren.

Es geht ums Beobachten. Es geht darum, in Abgründe zu schauen und den Schwindel zu ertragen, den der Anblick der Dinge auslöst, die wir dort sehen. Die tiefsten Abgründe dieser Welt finden sich nicht draußen in der Natur, sondern in uns selbst. Hier begegnen wir Dingen, deren Existenz wir gerne leugnen würden: Neid, Missgunst und Schadenfreude sind noch harmlos. Frustration und ein untergrabenes Selbstwertgefühl in Verbindung mit geringer Impulskontrolle können fatale Folgen haben. Dann wird plötzlich die ganze Welt zum Feind. Morbide Sehnsüchte und Phantasien, die im Verhaltenskodex der Gesellschaft nicht erlaubt sind, bahnen sich ihren Weg. Sie schlummern in jedem von uns. Und immer gibt es einen Auslöser, der sie zum Ausbruch bringen kann.

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